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Mehrsprachigkeit bei Kindern: Die größten Mythen aufgelöst

Verfasst von: Vivien Steuernagel

In diesem Artikel

  • „Mehrsprachige Kinder fangen später an zu sprechen als einsprachige Kinder.“
  • „Ich darf als Elternteil nur in meiner Sprache mit dem Kind sprechen.“
  • „Ist das Mischen von Sprachen schlimm?“
  • „Mein Kind antwortet mir nicht in meiner Sprache, was kann ich tun?“
  • „Mein Kind lernt dann in der Kita Deutsch.“
  • Tipps zur Sprachförderung

Einleitung

„Mein Kind wächst mit zwei Sprachen auf. Kann das die Sprachentwicklung verlangsamen?“

Diese Frage höre ich in meiner Arbeit als akademische Sprachtherapeutin besonders häufig. Die kurze Antwort darauf ist: Nein. Mehrsprachigkeit ist keine Ursache für eine Sprachentwicklungsstörung. Im folgenden Blogbeitrag werde ich die häufigsten Fragen zum Thema „Mehrsprachigkeit“ beantworten und Ihnen Tipps zur Sprachförderung im Alltag mitgeben.

Das Wichtigste vorab: Kinder lernen spielerisch, wenn ihre Interessen aufgegriffen werden und sie Spaß an der Sprache und am Sprechen haben. Zum Nachsprechen auffordern oder dem Kind Druck machen, erschweren das Sprechenlernen.

Die folgenden Informationen stammen aus dem Heidelberger Elterntraining, welches ich 2025 absolviert habe.

„Mehrsprachige Kinder fangen später an zu sprechen als einsprachige Kinder.“

Nein!

Ein- und mehrsprachige Kinder sollten um den ersten Geburtstag das erste Wort sprechen. Im Alter von 2 Jahren sollten die Kinder ca. 300 Wörter sprechen können. Wörter in allen Sprachen zählen!

Das Kind kann jedoch in einer Sprache mehr Wörter zur Verfügung haben, als in der anderen. Die Häufigkeit des Sprachkontaktes ist dabei entscheidend.

„Ich darf als Elternteil nur in meiner Sprache mit dem Kind sprechen.“

Nein!

Sie dürfen in der Sprache sprechen, mit welcher Sie sich am wohlsten fühlen. Trotzdem sollte das Kind erleben, wie Sie Deutsch oder eine andere Sprache sprechen. Das Kind lernt, dass diese Sprache der Kommunikation dient.

Zudem hilft es Ihrem Kind, wenn es bestimmte Konzepte gibt:

  • Zu Hause eine Sprache, auf der Straße die andere
  • Beim Essen eine Sprache, beim Hausaufgaben machen die andere
  • Die Mutter spricht auf Türkisch, der Vater auf Spanisch und untereinander auf Englisch

„Ist das Mischen von Sprachen schlimm?“

Nein! Ganz im Gegenteil

Das Mischen der Sprachen deutet auf eine hohe Sprachkompetenz hin. Die grammatikalischen Fähigkeiten entwickeln sich bis zum Alter von sechs Jahren. Oft mischen die Kinder die Sprachen schon grammatikalisch richtig.

Zum Beispiel: „Ich brushe meine hair.“

„Mein Kind antwortet mir nicht in meiner Sprache, was kann ich tun?“

Keinen Druck aufbauen!

Vielleicht fühlt sich Ihr Kind in der Sprache noch nicht sicher genug. Es muss die Sprache noch mehr im Alltag hören und merken, dass diese Sprache der Kommunikation dient. Versuchen Sie, noch weitere Personen zu finden, welche ebenfalls die gleiche Sprache lernen. Wenn Ihr Partner zum Beispiel eine andere Sprache spricht und Sie bisher untereinander nur auf Englisch gesprochen haben, kann es Ihrem Kind helfen, wenn der Vater oder die Mutter ebenfalls beginnt die Sprache des Partners zu lernen/zu sprechen.

„Mein Kind lernt dann in der Kita Deutsch.“

Ja und Nein

Achten Sie darauf, wie lange Ihr Kind jeweils mit der Sprache in Kontakt ist. Wie viel Deutsch wird in der Kita gesprochen? Sucht sich Ihr Kind Freunde, welche seine Sprache sprechen? In welcher Sprache sprechen die Erzieher:innen mit dem Kind? Gibt es auch außerhalb der Kita Kontakt zur deutschen Sprache?

Ihr Kind muss genügend Kontakt zur jeweiligen Sprache haben, um diese ausreichend zu lernen.

Tipps zur Sprachförderung

Wiederholen Sie wichtige Wörter

Um ein Wort sicher abspeichern zu können, müssen Kinder das Wort häufig und in verschiedenen Situationen hören. Alltägliche Situationen wie zusammen Kochen, den Tisch decken, Bettfertig machen, etc. eignen sich dafür prima.

Sie sind das Sprachvorbild

Ihre Kinder beobachten Sie und lernen von Ihnen. Ihr Kind kennt ein Wort noch nicht? Helfen Sie ihm und geben Sie ihm das Wort vor.

Finden Sie den gemeinsamen Aufmerksamkeitsfokus

Kinder lernen Sprachen und Sprechen am leichtesten, wenn ihre Interessen dabei berücksichtigt werden. Ihr Kind interessiert sich für Dinos oder Puppen? Versuchen Sie diese Interessen im Alltag aufzugreifen und darüber zu sprechen.

Sie möchten individuell beraten werden?

Dann melden Sie sich bei uns! Sie erreichen uns per E-Mail unter info@logosoma.de oder über unsere Website www.logosoma.de.

Wichtige Anmerkung

Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle sprachtherapeutische oder medizinische Beratung. Bei Fragen oder Sorgen zur Sprachentwicklung Ihres Kindes wenden Sie sich an eine Fachperson Ihres Vertrauens.

Expertin: Vivien Steuernagel

Dieser Beitrag stammt von Vivien Steuernagel, akademische Sprachtherapeutin und Praxisleitung der Praxis Logosoma in Frankfurt. 2020 absolvierte Vivien ihr Studium an der Hochschule Fresenius in Idstein. Seitdem therapiert sie Patienten mit den unterschiedlichsten Störungsbildern. Ihre Spezialisierungen liegen auf den Themen Elternberatung (Thema Late Talker und Mehrsprachigkeit), myofunktionelle Störungen, Dyslexie und Dyskalkulie. Zudem bietet sie gerne auch Videotherapien und Online-Beratung an.

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