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Früh ins Wasser? Warum positive Wassererfahrungen schon im Babyalter wertvoll sind

Verfasst von: Nadine Motter

In diesem Artikel

  • Wasser kennenlernen, bevor Angst entsteht
  • Aus Wassergewöhnung wird später Wasserkompetenz
  • Sicherheit beginnt trotzdem immer bei den Erwachsenen
  • Unser Fazit: Früh anfangen – aber kindgerecht

Einleitung

Planschen, strampeln, spritzen – für Babys ist Wasser zunächst einmal ein faszinierender Erfahrungsraum. Und genau darum geht es beim Babyschwimmen: nicht darum, möglichst früh schwimmen zu lernen, sondern darum, Wasser von Anfang an als etwas Positives, Vertrautes und Schönes kennenzulernen.

Denn richtig schwimmen können Babys noch nicht. Die American Academy of Pediatrics (AAP) weist in ihren aktuellen Empfehlungen ausdrücklich darauf hin, dass Kinder unter einem Jahr entwicklungsbedingt noch nicht in der Lage sind, die für selbstständiges Schwimmen notwendigen Bewegungsabläufe zu koordinieren. Babyschwimmen sollte deshalb niemals mit dem Versprechen verbunden werden, ein Baby „ertrinkungssicher“ zu machen. (American Academy of Pediatrics)

Was wir ihnen aber geben können, ist etwas anderes: Vertrauen ins Wasser.

Wasser kennenlernen, bevor Angst entsteht

Babys entdecken ihre Umwelt über ihre Sinne und über Bewegung. Im Wasser erleben sie ihren Körper völlig anders als an Land: Auftrieb verändert Bewegungen, Wasser erzeugt Widerstand, Temperatur und Berührungen werden intensiv wahrgenommen.

Ein pädagogisch gutes Babyschwimmen greift genau diese natürliche Neugier auf. Gemeinsam mit Mama oder Papa wird geplanscht, bewegt und ausprobiert – ganz ohne Leistungsdruck und immer orientiert an den Signalen des Kindes.

Auch aus Sicht der aktuellen Forschung ist diese Unterscheidung wichtig. Die AAP beschreibt positive Wasserangebote für Babys ausdrücklich als Möglichkeit für gemeinsame, freudvolle Eltern-Kind-Erfahrungen. Für Kinder unter drei Jahren gibt es zudem Hinweise darauf, dass frühe aquatische Angebote die motorische Entwicklung unterstützen können. (American Academy of Pediatrics)

„Beim Babyschwimmen geht es für uns nicht darum, aus einem Baby einen kleinen Schwimmer zu machen. Wir möchten erreichen, dass sich ein Kind im Wasser wohlfühlt, Vertrauen entwickelt und Wasser mit etwas Positivem verbindet. Das ist die Grundlage, auf der wir später aufbauen können.“

Jan Nehrbaß, Headtrainer, SWIM for Kids

Aus Wassergewöhnung wird später Wasserkompetenz

Wer Wasser kennt, kann sich später leichter mit ihm auseinandersetzen. Deshalb verstehen wir Babyschwimmen als ersten Baustein einer langfristigen Entwicklung: vom spielerischen Kennenlernen über Wassergewöhnung und erste Schwimmbewegungen bis hin zum sicheren Schwimmen.

Dabei geht es um weit mehr als eine bestimmte Schwimmtechnik. Fachorganisationen sprechen heute zunehmend von „Water Competency“, also der Wasserkompetenz. Dazu gehören neben Schwimmfertigkeiten auch ein realistischer Umgang mit den eigenen Fähigkeiten, das Erkennen von Gefahren und richtiges Verhalten im und am Wasser. (American Academy of Pediatrics)

Dass Schwimmunterricht später tatsächlich einen Beitrag zur Sicherheit leisten kann, zeigen Studien ebenfalls: Für Kinder im Alter von etwa ein bis vier Jahren gibt es Hinweise darauf, dass Schwimmunterricht mit einem geringeren Ertrinkungsrisiko verbunden sein kann. Die wissenschaftliche Evidenz ist für diese Altersgruppe allerdings noch begrenzt. Die AAP empfiehlt in ihrer aktuellen Leitlinie, mit eigentlichem Schwimmunterricht nach dem ersten Geburtstag zu beginnen und den Zeitpunkt individuell an Entwicklung und Voraussetzungen des Kindes anzupassen. (American Academy of Pediatrics)

Sicherheit beginnt trotzdem immer bei den Erwachsenen

Ein Punkt ist uns als Schwimmschule besonders wichtig: Kein Schwimmkurs ersetzt die Aufsicht eines Erwachsenen.

Auch Kinder, die bereits viel Erfahrung im Wasser haben, dürfen niemals unbeaufsichtigt am oder im Wasser sein. Bei Babys und Kleinkindern empfiehlt die AAP eine unmittelbare „Touch Supervision“: Eine aufmerksame erwachsene Person sollte sich so nah am Kind befinden, dass sie es jederzeit direkt erreichen kann. (American Academy of Pediatrics)

Frühe Wassergewöhnung ist deshalb kein Sicherheitsversprechen. Sie ist vielmehr der Anfang eines Lernprozesses, der sich über viele Jahre entwickelt.

Unser Fazit: Früh anfangen – aber kindgerecht

Für uns bedeutet gutes Babyschwimmen deshalb vor allem: Zeit geben. Vertrauen schaffen. Gemeinsam Spaß haben.

Ein Baby muss nichts leisten, keine Strecke zurücklegen und keine Übung „können“. Es darf Wasser entdecken, aber im eigenen Tempo, begleitet von einer vertrauten Bezugsperson und unter Anleitung qualifizierter Trainerinnen und Trainer.

Wenn daraus ein Kind wird, das mit einem Lächeln ins Wasser geht, neugierig ausprobiert und Schritt für Schritt lernt, sich darin sicher zu bewegen, ist bereits unglaublich viel erreicht.

Denn sicheres Schwimmen beginnt nicht mit dem ersten Schwimmzug. Es beginnt mit Vertrauen ins Wasser.

Quellen

Wichtige Anmerkung

Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt weder eine individuelle Beratung noch die Aufsicht durch einen Erwachsenen. Babyschwimmen macht ein Kind nicht ertrinkungssicher. Kinder dürfen am und im Wasser niemals unbeaufsichtigt sein.

Experte: Nadine Motter

Dieser Beitrag stammt von SWIM for Kids. Nadine Motter ist dort Headtrainerin und begleitet mit ihrem Team Babys und Kinder dabei, Wasser spielerisch und kindgerecht kennenzulernen, Vertrauen aufzubauen und Schritt für Schritt Wasserkompetenz zu entwickeln.

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